Sprechen wir übers Lügen. Wir alle lügen. Ständig. Experten sagen, dass jeder von uns im Schnitt 200 Mal pro Tag lügt. „Wie geht´s dir?“ „Gut.“ Zack, schon gelogen. „Woran denkst du?“ „An nichts.“ Schon wieder gelogen. „Wie steht mir mein neues Kleid?“ „Super!“ Und zum dritten Mal gelogen. So schnell und einfach geht das. Viele Bücher sind über das Lügen geschrieben worden. Auch in dem Buch, von dem hier die Rede sein soll, geht es darum. Aber anders. Das Buch heißt „Die Lügen-AG“.  Untertitel: „Wie eine ganze Industrie `alternative Fakten´ schafft und unsere Politik beeinflusst“.  Der Autor: der amerikanische Journalist, Radio-Moderator und ehemalige Politik-Berater Ari Rabin-Havt (mit Unterstützung der Organisation Media Matters for America, ein Forschungs- und Informationszentrum, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Fehlinformationen in den amerikanischen Medien zu überwachen und richtig zu stellen).

Quasi-industrielle Lügen-Produktion

Rabin-Havt beginnt direkt auf Seite 7 mit einer steilen These. Er behauptet, dass es in den USA „eine Industrie gibt, die sich der Schöpfung von Lügen widmet, und eine Gruppe von Menschen, die von den Lügen profitieren“. Er nennt diese Industrie die „Lügen AG“. Dabei handele es sich um eine Gruppierung aus „Lobbyisten, PR-Unternehmen, Medienlakaien, unmoralischen `Experten´ und skrupellosen Thinktanks“ , die sich zum Beispiel von der Tabak- und die Waffenindustrie oder von Abtreibungsgegnern und Klimawandelleugnern kaufen lassen, um mit gezielten Lügen, gefälschten und erfundenen Forschungsergebnissen sowie hanebüchenen und absurden Behauptungen die Öffentlichkeit zu täuschen, zu verwirren und den politischen Entscheidungsprozess in ihrem Sinne zu beeinflussen. Diese Lügen, schreibt Rabin-Havt, haben nur den einen Sinn, „die Wahrheit zu verbergen, die Öffentlichkeit zu verwirren und Kontroversen zu erzeugen, wo es zuvor keine gab – mit dem Ziel, den Fortschritt aufzuhalten“.

Lügen-Opfer Barack Obama

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama kann ein Lied davon singen. O-Ton Rabin-Havt: „Jedes Mal, wenn Obama eine Maßnahme vorschlug, die diesen Interessen (der Energiekonzerne, der Finanzinstitute, der Gesundheitsbranche, der Waffenindustrie etc. – Anm. der Red.) auch nur geringfügig zuwiderlief, wurde er von einer Litanei von Lügen und Verzerrungen seitens einer Opposition konfrontiert, die mehrere Methoden aus dem gleichen Werkzeugkasten verwendete: Bezahlte Experten produzierten manipulierte Forschungsergebnisse, die in Argumentationshilfen und Meme verwandelt wurden, dann im Fernsehen von bezahlten Helfershelfern wiederholt, über die Social Media ausgestreut und nötigenfalls der Öffentlichkeit durchbezahlte Werbekampagnen eingehämmert wurden. Das Resultat ist eine durchorganisierte Industrie der Erfindung und Verbreitung von Unwahrheiten, gestützt auf eine Medienlandschaft, die deren Arbeit unterstützt und begünstigt.“

Roter-Reiter-Fazit: „Die Lügen-AG“ referiert zwar auf die Situation in den USA, ist aber auch für deutsche Leser interessant und aufschlussreich. Denn ganz sicher ist es nur ein schöner Traum, dass es hierzulande wesentlich anders läuft. Immer dann, wenn viel Geld auf dem Spiel steht oder wenn Ideologien verteidigt werden, ist den Interessengruppen jedes Mittel recht. Und dann schlägt auch die Stunde der professionellen Lügner. Anhand zahlreicher Beispiele aus den USA zeigt Rabin-Havt, wie diese „Industrie“ arbeitet. Eine spannende und erschütternde Lektüre.

Damian Sicking, www.Roter-Reiter.de

Ari Rabin-Havt, Media Matters for America: Die Lügen-AG. Wie eine ganze Industrie „alternative Fakten“ schafft und damit unsere Politik beeinflusst. Plassen, 297 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 3864705037

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