Possible: Konflikte sind keine Hindernisse

Es braucht nur einen Blick in die Timeline oder die heutige „Tagesschau“, und schon sind wir mitten im Thema: gesellschaftliche und politische Konflikte, verhärtete Fronten und ein scharfer Ton. Wir alle kennen Auseinandersetzungen, die sich anfühlen wie Sackgassen. William Ury, Mitbegründer des Harvard Negotiation Project und Co-Autor des meistverkauften Verhandlungsbuchs der Welt – „Das Harvard-Konzept“ –, sagt: „Der Fehler liegt nicht im Konflikt selbst. Er liegt darin, wie wir ihn sehen.“ In seinem Buch „Possible. Wie wir im Zeitalter des Konflikts überleben (und gedeihen)“ hilft er uns dabei, eine neue Perspektive einzunehmen.

Wir brauchen mehr Konflikt, nicht weniger

„Die Welt braucht nicht weniger Konflikte, sondern mehr“, sagt William Ury, „sie sind das Herz unseres demokratischen Prozesses, aber auch unserer modernen Wirtschaft, wo der Konflikt in Form der Konkurrenz zum Wohlstand beiträgt.“

Aus dieser Perspektive betrachtet, können wir an Konflikten wachsen und aus ihnen lernen, Probleme kreativ zu lösen. Das Ziel kann also nicht sein, Konflikte zu vermeiden oder zu beenden. Das Ziel ist es, sie zu transformieren. 

In seinem neuen Buch teilt William Ury seine Erfahrungen, die er als Verhandlungsexperte und Mediator in zahlreichen internationalen Krisengebieten wie etwa im Nahen Osten, auf dem Balkan oder in Venezuela gesammelt hat. Zusammen mit dem ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter gründete er außerdem das International Negotiation Network, in dem Staatsmänner- und Frauen, Friedensnobelpreisträger*innen und Konfliktforscher*innen zusammenkommen, um weltweit zwischen Konfliktparteien zu vermitteln.

Der Weg zum Möglichen

William Urys grundlegende Idee ist der sogenannte „Path to Possible“, ein Dreischritt der Konfliktlösung:

  • Erstens: auf den Balkon gehen. Gemeint ist damit ein innerer Rückzug, um Abstand zu gewinnen, die eigene Reaktivität zu unterbrechen und die Situation mit klarem Kopf zu betrachten. 
  • Zweitens: eine goldene Brücke bauen – also einen Weg entwerfen, der für beide Seiten attraktiv ist und aus dem Schützengraben herausführt. 
  • Und drittens: die „Third Side“ aktivieren, das heißt die Gemeinschaft, das Umfeld, die weiteren Beteiligten einbeziehen, die einen Konflikt mit auffangen und mitgestalten können. 

Diese drei Schritte sind keine Techniken, sie sind eine Haltung.

Possibilist sein

Menschen, die nach dieser Haltung leben, nennt der Autor „Possibilists“. Er erklärt: „Ich habe mich dem Möglichen verschrieben. Ich glaube an unser menschliches Potenzial, konstruktiv mit unseren Differenzen umzugehen.“ 

Er selbst hat erlebt, wie das Ende des Kalten Krieges möglich wurde, wie in Südafrika die Apartheid fiel, wie in Nordirland der Konfessionskonflikt beigelegt wurde. „Ich bin überzeugt: Was in der Vergangenheit möglich war, das ist auch in Zukunft möglich“, schreibt er. Und er macht deutlich: Die Fähigkeit, das Mögliche zu erkennen,  ist keine Eigenschaft Einzelner. Sie ist ein Potenzial, das alle Menschen in sich tragen und das sich entwickeln lässt.

Roter-Reiter-Fazit

„Possible“ ist ein Buch für alle, die Konflikte – im Team, in der Führung, im Alltag – nicht länger als Rückschlag, sondern als Ressource begreifen wollen. Williams Urys Methodik ist auf Weltbühnen erprobt, warum sollte sie nicht auch in Büros, Wohnzimmern oder dem Nachbarschaftstreff funktionieren.

William Ury: Possible. Wie wir im Zeitalter des Konflikts überleben (und gedeihen)
Vahlen Verlag, 2026
320 Seiten, 29,80 Euro

ISBN 978-3-8006-7936-2

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