15 Juni Be Wonderful: Willkommen im Intelligence Age
Lange Zeit waren Führungskräfte gefragt, die Prozesse überblickten, Zustände analysierten und Prognosen wagten. Aber, so nun die Bankrotterklärung, das kann die KI heute um Längen besser. Ist Führung also gescheitert? Ja, in ihrer bisherigen Form, sagt Personalberater Bruno Weidl. Wir brauchen eine neue Haltung, in der Führungskräfte zu Gestalterinnen und Gestaltern werden. Warum das notwendig ist und wie es funktioniert, zeigt er in seinem Ratgeber „Be Wonderful. Menschen großartig machen“.
Von Effizienz zu Menschlichkeit
Bruno Weidl zeichnet die Evolution moderner Führungsideale nach: von der Excellence der 1980er Jahre, die Prozesse optimierte und Menschen zu Zahnrädern machte, über die Greatness-Ära mit ihrer Disziplin und Skalierungslogik bis hin zu einem dritten Ideal, das er „Wonderfulness“ nennt.
Der Unterschied liegt seiner Meinung nach in der Frage, die Führung stellt:
- Excellence fragte: „Wie machen wir es richtig?“
- Greatness fragte: „Wie machen wir es bedeutend?“
- Wonderfulness fragt: „Warum tun wir es überhaupt?“
KI liefert Fakten und Daten besser als jeder Mensch, macht Voraussagen und verknüpft Wissen. „Was bleibt menschlich, wenn alles denkt?“, fragt der Autor. „Vielleicht beginnt wahre Intelligenz nicht mit Rechenleistung, sondern mit der Fähigkeit, zu spüren, was wesentlich ist.“
Ganzheit als Führungsgrundlage
Da das „Wie“ nicht mehr im Fokus von Führungsarbeit steht, gibt es nun den Raum, Menschen, Organisationen und Strukturen ganzheitlicher zu denken. Denn was nicht mehr funktioniert, ist eine fragmentierte Führung. Wer sich in eine Berufsrolle und ein privates Ich aufteilt, führt aus einer fragmentierten, limitierten Perspektive heraus. „Ganzheit“, so Weidl, „ist der Boden, auf dem Führung erst stehen kann. Wenn innere Klarheit zu spürbarer Präsenz wird.“ Entscheidungen werden demnach nachvollziehbarer, wenn sie aus einer ganzheitlichen Perspektive heraus getroffen und kommuniziert werden – und diese menschliche Haltung mit vielen Facetten, Eindrücken und Erfahrungen kann keine KI einnehmen, das kann nur die Führungskraft.
Roter-Reiter-Fazit
„Be Wonderful“ ist ein Buch über die Frage, was von einer Führungskraft übrigbleibt, wenn KI besser analysieren und optimieren kann als jeder Mensch. Bruno Weidl zeigt, wie Führung im „Intelligence Age“ aussehen muss, und gibt uns 10 Prinzipien und eine Vielzahl an Prompts zur Reflexion an die Hand.
Bruno Weidl: Be Wonderful. Menschen großartig machen.
Vahlen 2026
260 Seiten, 26,90 Euro
ISBN 978-3-8006-7995-9