Klimaneutral, klimapositiv, klimafreundlich: Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind die Themen, die Organisationen aktuell am stärksten beschäftigen. Schon bald gilt die Green Claims Directive, sodass Unternehmen ihre Produkte nicht mehr ohne Weiteres als „klimaneutral“ oder „klimapositiv“ bewerben dürfen. Bereits jetzt gibt es bei Konsumenten ein stärkeres Bewusstsein für diese Begriffe und sie fragen zu Recht: Wie klimafreundlich ist das Produkt wirklich?

Das Thema Klimaschutz ist jedoch mehr als ein Marketing-Buzzword. Aktuell werden Leitlinien und Gesetze auf den Weg gebracht, um die europäische Wirtschaft nachhaltig zu gestalten. Denn das ist ein Muss, um das Erreichen der Klimaziele überhaupt in greifbare Nähe zu bringen. Aber was bedeutet es, die Wirtschaft nachhaltig zu gestalten? Was bedeutet es für ein Unternehmen, klimaneutral zu produzieren? Benedict Probst und Marian Krüger stellen in ihrem Buch „Race to Zero“ Optionen zu mehr Klimaneutralität in Organisationen vor und bieten einen guten Ein- und Überblick in den Begriffsdschungel.

Ausgleichen reicht nicht aus

In den vergangenen Jahren hat sich ein lukrativer Kompensationsmarkt etabliert. Zu oft war und ist dabei immer noch die Idee: Wenn du unser Produkt kaufst, forsten wir irgendwo einen Wald auf oder pflanzen einen Baum. Einigen Anbietern solcher Kompensationsprodukte konnte Zertifikatsschwindel nachgewiesen werden, denn wer überprüft schon, ob der Baum im Regenwald wirklich gepflanzt wurde?

Und auch bei vertrauenswürdigen Zertifikaten bleibt ein Fakt: Die CO2-Emmissionen sind beim Produzieren des Produkts bereits angefallen. Punkt – und dort bleiben sie viele, viele Menschenleben lang. Denn um diese Emissionen durch Aufforstung ausgleichen zu können, bräuchte es eine Menge Holz. Trotzdem gilt heute: Wenn in einem Unternehmen CO2-Emmissionen entstehen und durch Maßnahmen wie Aufforstung rein rechnerisch komplett ausgeglichen werden, ist das Unternehmen klimaneutral. Aber das reicht eben nicht. 

Wie erreichen wir Nettonull?

Es sind bereits heute zu viele Emissionen in der Atmosphäre. Und auch wenn wir noch so gut wirtschaften, produzieren wir immer CO2., so dass Rest-Emissionen unvermeidbar sind. Klimaneutralität ist also ein wichtiger Zwischenschritt, aber das Ziel sollte die Nettonull sein. Diese erreichen Unternehmen durch das Einsparen aller vermeidbaren Emissionen und durch das aktive Entnehmen von CO2 aus der Atmosphäre. Wie Organisationen jetzt loslaufen, um dieses Ziel zu erreichen, zeigen Benedict Probst, Umweltökonom an der ETH Zürich und Universität Cambridge, und Marian Krüger, Gründer und Leiter von remove, einer Organisation zur Unterstützung europäischer Carbon Removal Start-ups. 

„Wir stehen an der Schwelle zur nächsten industriellen Revolution. Dafür wird es nicht nur ein paar ,grüne‘ Firmen geben müssen, sondern die gesamte Volkswirtschaft muss neu ausgerichtet werden“, so die beiden Autoren. In ihrem Ratgeber zeigen sie, wie wichtig natürliche Entfernungsmethoden wie die regenerative Landwirtschaft, das Reaktivieren von Mooren oder die Aufforstung sind. Da wir zu spät losgelaufen sind, fehlt uns aber die Zeit, die die Natur zur Regenerierung und dem Abbau der Emissionen benötigen würde. Deshalb sind aktuell technische Lösungen zur Speicherung und Abscheidung von Kohlenstoff in der Entwicklung. Benedict Probst und Marian Krüger stellen verschiedene Lösungen vor und zeigen, welches Potenzial sie haben – wenn sie klug eingesetzt werden. 

Roter-Reiter-Fazit

Ein spannender Einblick in die technischen Innovationen zur CO2-Speicherung, die aktuell in der Entwicklung sind. Benedict Probst und Marian Krüger schaffen es, diese Technologien verständlich darzustellen, und geben Organisationen wichtige Informationen für nachhaltige Entscheidungen mit auf den Weg. 

Benedict Probst, Marian Krüger: Race to Zero
Wie Unternehmen den Wettlauf zur Klimaneutralität gewinnen
Campus, 2024
200 Seiten, 38 Euro

ISBN 9783593518695

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