18 Dez. Hoffnung! Die unterschätzte Führungsstärke in turbulenten Zeiten
Eine Teamleiterin steht montagmorgens vor ihrem Team. Zwei Stellen sind seit Monaten unbesetzt, die Krankmeldungen häufen sich, neue Projekte kommen trotzdem obendrauf. Die Frage im Raum lautet nicht mehr: Wie schaffen wir das? Sondern: Schaffen wir das überhaupt noch? Denn ehrlich gesagt weiß eine Führungskraft in dieser Situation selten, ob sich bald jemand bewirbt, ob Budgets freigegeben werden oder ob sich die Rahmenbedingungen verbessern. Was sie aber noch kann, ist eines: nicht aufzugeben. „Die fehlende Zuversicht auf eine positive Zukunft drückt auf die Motivation bis hin zur Apathie, erschwert die Kundenfreundlichkeit, belastet die Menschen und macht sie krank“, weiß der Coach und Trainer Michael Hübler. In seinem Ratgeber „Hoffnung!“ stellt er genau diese als Konzept vor.
Hoffnung, wenn es keinen Zweckoptimismus mehr gibt
In einer Gegenwart wie der aktuellen stoßen klassische Führungsrezepte an ihre Grenzen. Durchhalten, motivieren, Zuversicht ausstrahlen: Das wird von Führungskräften weiterhin erwartet, funktioniert aber immer seltener. Denn Optimismus lebt von der Annahme, dass es auch wieder besser wird. Doch was passiert, wenn davon nicht auszugehen ist? Wenn die Zukunft unklar ist und Krisen nicht mehr Ausnahme, sondern Dauerzustand sind? Dann bleibt die Hoffnung. Michael Hübler sieht darin mehr als eine spirituelle Durchhalteparole. Im Gegenteil. Hoffnung ist hier ein Konzept, das dort ansetzt, wo Optimismus aufhört. Während Optimismus sagt: „Es wird schon gutgehen“, sagt Hoffnung: „Ich weiß nicht, ob es gut wird, aber ich bleibe handlungsfähig.“
Zukunft aktiv gestalten
Das Buch zeigt eindrücklich, warum Hoffnung eine notwendige Grundhaltung ist, um Motivation, Sinn und Zusammenhalt aufrechtzuerhalten. Ohne Hoffnung drohen zwei Extreme: Rückzug, Apathie und innere Kündigung oder blinder Aktionismus, der irgendwann in Erschöpfung mündet.
Führung bedeutet hier nicht, den eigenen Optimismus auf andere zu übertragen, sondern Räume zu schaffen, in denen Zweifel ausgesprochen werden dürfen, ohne dass gleich alles infrage steht. Damit wird die Hoffnung als Führungsprinzip zu einem Gegenpol zur weit verbreiteten Überforderung. Sie ist kein Versprechen auf Erfolg, sondern ein Versprechen auf Beteiligung, auf das gemeinsame Aushalten von Unsicherheit und auf das Weitermachen, obwohl Aufgeben rational manchmal leichter wäre. Genau deshalb ist dieses Buch kein klassischer Führungsratgeber, sondern vielmehr eine Einladung, Führung unter den aktuellen Umständen neu zu denken.
Roter-Reiter-Fazit
Ob alles wieder besser wird? Darauf hat keine Führungskraft eine Antwort. Michael Hübler zeigt in seinem vielschichtigen Buch „Hoffnung!“, wie Führungskräfte trotzdem handlungsfähig bleiben und ihre Teams an der Gestaltung eines positiven Zukunftsbildes aktiv beteiligen.
Michael Hübler: Hoffnung! Die unterschätzte Führungsstärke in turbulenten Zeiten
Metropolitan, 2025
250 Seiten, 31,95 Euro
ISBN: 978-3-96186-108-8