Wenn Henrik Müller das Wort ergreift, dann empfiehlt es sich, genau zuzuhören. Denn der promovierte Ökonom, Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der TU Dortmund und langjährige Stellvertrende Chefredakteur des manager magazin, ist ein kluger Kopf und verfügt über die Gabe, seinen Standpunkt nicht nur pointiert, sondern auch verständlich darzulegen. Ein exzellentes Beispiel dafür liefert sein neues Buch zu einem aktuellen Thema: „Nationaltheater. Wie falsche Patrioten unseren Wohlstand bedrohen.“

Falsche Versprechen

Es geht darin um eine globale Tendenz, die durch den US-Präsidenten Donald Trump mit seinem „America-first!“-Diktum am stärksten personifiziert wird: Die Rückbesinnung auf das Nationale. Trump ist nur einer von vielen: In Frankreich, den Niederlanden, Polen, Ungarn, Russland, aber auch bei uns in Deutschland haben die „falschen Patrioten“ Oberwasser und ziehen immer mehr Anhänger an. „Falsch“ sind diese Patrioten, weil sie etwas versprechen, was sie nie und nimmer einlösen können: „Populistische Patrioten und despotische starke Männer“, schreibt Müller, „versprechen Schutz – vor Zuwanderern, vor ausländischer Konkurrenz, vor Terror und Unsicherheit. Doch sie werden das genaue Gegenteil erreichen: weniger Wohlstand, weniger Jobs, weniger Sicherheit. Auf nationaler Ebene lassen sich die Probleme, mit denen wir es aktuell und in Zukunft zu tun haben, nicht lösen.“

Die Lage ist deprimierend, aber nicht hoffnungslos

Politik, schreibt Müller, „verkommt zum Nationaltheater, und dieses entspinnt sich als Tragödie“. Der Rückbezug aufs Nationale sei umso problematischer, als sich die Menschheit an der Schwelle zu einer hochgefährlichen Epoche befinde. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werde sich entscheiden, wie es weitergehe: ob wir gemeinsam in der Lage seien, friedlich und fair einen eng besiedelten Planeten zu bewohnen – oder ob wir uns durch Krieg, Terror, Umweltzerstörung und Ausbeutung gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Die Lage sei „deprimierend“, brenzlig auch, aber nicht hoffnungslos. „Umsteuern ist möglich“, schreibt Müller. Aber dazu müsse das Denken in nationalen Grenzen überwunden werden. Müller: „Nur übernationale Ansätze versprechen tragfähige Lösungen, weil die Probleme sich nicht an nationale Grenzen halten.“

Gegen einen „wohlverstandenen Patriotismus“ ist nichts einzuwenden

Natürlich dürfe jeder sein Land lieben. Gegen einen „wohlverstandenen Patriotismus“ hat Müller überhaupt nichts einzuwenden. Aber dieser Patriotismus „stellt keinen Gegensatz her zwischen dem Wohl des eigenen Volkes, das einem emotional näher ist als der Rest der Welt, und dem Wohl anderer. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Wenn es Griechen und Italienern auf Dauer schlecht geht, kann es Deutschland nicht gut gehen…“

Nach einer Beschreibung der gegenwärtigen Situation und einer Analyse der Gründe, die sie haben entstehen lassen, zeigt Müller im konstruktiven Teil des Buches Lösungsschritte auf, wie die Staatengemeinschaft organisiert werden müsste, damit gemeinsam an der Lösung der globalen Probleme gearbeitet wird und trotzdem niemand auf seine nationale Identität verzichten muss.

Roter-Reiter-Fazit: „Nationaltheater“ von Henrik Müller ist ein kenntnisreiches, profundes und sehr gut lesbares Buch zu einem wichtigen Thema, das uns alle betrifft. Man kann ihm nur viele Leser wünschen.

Damian Sicking, www.Roter-Reiter.de

Henrik Müller: Nationaltheater. Wie falsche Patrioten unseren Wohlstand bedrohen. Campus, 220 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 3593506734

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