Viele finden den Euro richtig gut. Vor allem diejenigen, die häufig ins europäische Ausland fahren – nach Österreich, nach Italien, nach Spanien, nach Frankreich, nach Holland, nach Griechenland. Sie finden es gut, dass sie vor ihrer Reise ihre D-Mark nicht mehr in Schilling, Lire, Pesetas, Francs, Gulden oder Drachmen umtauschen müssen. Sie vermissen es nicht, dieses permanentes Kopfrechnen im Urlaub, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie teuer das jetzt in D-Mark war, was sie sich gerade gegönnt hatten. Und dieses nervige Zurücktauschen, wenn man nach dem Urlaub wieder in der Heimat ist! Nein, diesen Zeiten weinen viele keine Träne nach. Sie finden den Euro klasse.

„Europa steckt in seiner größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“

Auch die Autoren des Buches „Alles auf Anfang. Warum der Euro scheitert – und wie ein Neustart gelingt“ finden den Euro gut. Grundsätzlich zumindest. Also die Idee. Sagen wir mal so: Sie finden den Euro nur dann gut, wenn er, wie bei seiner Erfindung gedacht, wieder auf seine Rolle als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel beschränkt wird und nicht mehr wie derzeit als „Bühne für Verteilungskonflikte und politische Streitereien missbraucht“ wird. Das Problem des Euro, schreiben die Autoren, besteht darin, dass er in guten Zeiten gegründet worden ist und daher auf schlechte Zeiten nicht vorbereitet ist. Und das ist fatal. Denn „Europa steckt in seiner größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Und einer der Hauptakteure dieser Krise ist die Europäische Zentralbank (EZB) als oberste Währungshüterin, die „mit immer neuen geldpolitischen Kunstgriffen“ versucht, die „fundamentalen Schwächen des Euroraums zu kaschieren“. Doch für die Aufgabe als Euroretter wurde die EZB weder geschaffen noch legitimiert. Die EZB kann die Probleme des Euroraums nicht auf Dauer lösen, sondern „das Leiden nur verlängern“.

Der Euro kann in dieser Form nicht überleben

Ein Weiter-so kann es nicht geben. Denn dann würde der Euro früher oder später vor die Wand fahren. Das Autorentrio Nikolaus Heinen, Jan Mallien und Florian Toncar ist überzeugt, „dass der Euro in seiner heutigen Form als gemeinsame Währung Europas nicht überleben wird“. Sie glauben auch nicht daran, dass noch eine „schrittweise Korrektur des Euro“ möglich ist – dazu sind die Probleme einfach zu groß. Mit der Rückkehr zu nationalen Währungen wäre allerdings nichts gewonnen, im Gegenteil. Dies wäre sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus politischen Gründen ein schwerer Fehler. Um den Euro zu retten, fordern die Autoren daher „drastische Reformen“, und dies geht am besten in Form eines „systemischen Neustarts“.

Was passieren muss…

Im Zentrum ihrer „Blaupause für eine krisenfeste Währungsunion“ steht die EZB. Die Europäische Zentralbank muss entpolitisiert, reorganisiert und besser kontrolliert werden, fordern sie. Eine zweite zentrale Forderung ist, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten des Euroraums für ihre eigenen Schulden selbst haften. Zum dritten ist eine wirksamere Risikokontrolle im Finanzsystem dringend geboten.

Roter-Reiter-Fazit: Heinen, Mallien und Toncar haben mit ihrem Buch eine „Montageanleitung für eine bessere europäische Währungsunion“ vorgelegt. Ihr Gedankenexperiment, als das sie ihre Ausführungen selbst bezeichnen, soll kein Notfallplan sein, der wie frühere Rettungspakete „mehr Zeit kaufen und das Leiden aller Beteiligten verlängern würde“. Eins steht fest: Hier haben sich drei Menschen intensiv mit der Euro-Problematik beschäftigt und zeigen sachkundig, konstruktiv und dazu auch noch verständlich Wege aus der Krise auf. Die Lektüre sei allen Staatsbürgern und Politikern in der Eurozone unbedingt ans Herz gelegt.

Damian Sicking, www.Roter-Reiter.de

Nikolaus Heinen, Jan Mallien und Florian Toncar: Alles auf Anfang. Warum der Euro scheitert – und wie ein Neustart gelingt. Campus, 235 Seiten, 24,95 Euro, ISBN: 3593507447

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