„Fit für die Next Economy“ ist ein Gemeinschaftswerk der Berater und Keynote-Speaker Anne M. Schüller und Alex T. Steffen. In ihrem Buch geht es um nichts Geringeres als um die Frage, wie unsere etablierten und in der Vergangenheit erfolgreichen Unternehmen – die sogenannte Old Economy – gerettet werden können. Denn sie müssen gerettet werden, so viel steht fest. Allerdings können sie es nicht aus eigener Kraft. Um der Zukunft gerecht zu werden, schreiben die Autoren, muss alles „radikal umgebaut werden“. Das bedeutet unter anderem auch das „Ende des Managements, wie wir es kennen“

Wie Millennials ticken

Vor allem braucht es andere Menschen in den Unternehmen. Und damit sind wir bei den Millennials, den Hoffnungsträgern unserer Wirtschaft. Alex T. Steffen (Jahrgang 1990) ist einer von ihnen, und in den ersten Kapiteln, dem vom Umfang her gesehen Hauptteil des Buches, gibt Steffen einen Einblick, „wie Millennials ticken“. Die Millennium-Generation, schreibt er, „…ist die bestausgebildete und zugleich kreativste Generation, die es je gab. (…) Als digital fitte, vielseitig interessierte und global geprägte Generation erkennen Millennials Potenziale blitzschnell, können Marktdifferenzen identifizieren und Lösungen ganz neu kombinieren. Mit ständiger Veränderung umzugehen, darin sind sie erprobt. Komplexität meistern sie bestens. Sie besitzen eine ausgeprägte emotionale Intelligenz und haben im Dschungel der Optionen immer einen Plan B. Sie sind Teamplayer, dialogbereit und bestens vernetzt. Kurzum: Sie sind das Fundament für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.“

Natürlich gab es auch in der Old Economy High Potentials. Sie werden in diesem Buch die „Book Smarts“ genannt, die an der Uni glänzten und hervorragende Abschlüsse vorweisen konnten. Die High Potentials der Next Economy hingegen sind die „Street Smarts“. Sie sind anders, sie verlassen sich nicht auf akademisches Schulwissen, sondern sind „keck, flott, quirlig, einfallsreich und situationserprobt … Die Digital Natives haben einen Riecher für Chancen am Markt. Und sie wissen, wie man intelligent auf neue Märkte reagiert.“

Ausgeprägtes Selbstbewusstsein

Millennials wollen etwas leisten und sich anstrengen. Aber sie wollen eine Arbeit tun, „die wir für bedeutungsvoll halten“, und dafür brauchen sie die richtigen Rahmenbedingungen. Vorgesetzte, die ihnen sagen, was sie machen sollen und vor allem, wie sie es machen sollen, brauchen sie nicht. „Wir suchen nach Arbeitgebern, die uns Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung (…) geben.“ Ihnen ist zwar durchaus bewusst, dass auch monotone Arbeiten gemacht werden müssen,  aber nicht von ihnen, denn das „führt bei uns schnell zu Langeweile und Enttäuschung“. Auch auf einen „ermüdenden Bewerbungsmarathon aus Assessment Center und diversen Einzelgesprächen“ haben Millennials keine Lust. Sie verstehen sich vielmehr als „Kunden, und so sollten sie auch behandelt werden“.

Redesign der Führungs- und Unternehmenskultur

In den beiden letzten Kapiteln des Buches widmet sich Anne M. Schüller der Frage, wie sich die Unternehmen fit für die Zukunft machen und welche Strukturen und Prozesses dafür geändert und angepasst werden müssen. Sie geht zum Beispiel darauf ein, wie man den Recruiting- und Bewerbungsprozess optimieren kann, um die gesuchten Young Professionals für sich zu gewinnen, wie man sich von bürokratischem Ballast trennt und wie „Reverse Mentoring“ funktioniert, also das Coaching des Seniors durch den Junior.

Zudem fordert sie ein „Redesign der Unternehmenskultur und der Führungskultur“. Der Weg muss sein: weg vom Management der Technokraten, Bürokraten und Präzisionsanalytiker  hin zur „Menschenführung“ durch „Menschenversteher“. In der Next Economy, schreibt sie, werden Führungskräfte zu „Dienstleistern für ihre Mitarbeiter“.  In dieser neuen Unternehmenswelt stehen nicht mehr „fordern und anweisen im Vordergrund, sondern einladen und wünschen“.

Roter-Reiter – Fazit: Viele Unternehmer und Führungskräfte der etablierten Firmen werden das Buch „Fit für die Next Economy“ von Anne M. Schüller und Alex T. Steffen als Provokation empfinden. Das mag durchaus die Absicht des Autorenduos sein. Die Millennials werden als Hoffnungsträger und Retter der Wirtschaft sehr stark glorifiziert, wohingegen die „alten Hasen“ in den Unternehmen als Manager von gestern abgestempelt werden. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist das Buch eine interessante Lektüre, da es einen umfassenden Einblick in das Selbstverständnis der Generation Y und Z vermittelt.

Adrian von Tungerloh-Capellen, www.Roter-Reiter.de

Anne M. Schüller / Alex T. Steffen: Fit für die Next Economy. Zukunftsfähig mit den Digital Natives.  Wiley VCH, 271 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 3527509119

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One Response to Führung und Management in Zeiten der Generationen Y und Z
  1. Dass neben den digitalen auch unternehmensinterne Transformationsprozesse notwendig sind, ist praktisch jedem Manager inzwischen wohl klar. Entscheidend ist, wie man sie hinbekommt. Am besten klappt es u. E.eben dann, wenn Jung und Alt sich gleichberechtigt zusammentun, anstatt Generationenkonflikte heraufzubeschwören. Von daher zeigt das Buch vor allem eine Fülle von Miteinander-Initiativen, die zukunftsfit machen. Insofern agiert es als Brückenbauer zwischen der Old und der Next Economy.


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